Katalog Axel Sander 1987 Galerie Lietzow

Text von Axel Sander

Mein notwendiges Handwerkszeug als Maler:

Vor allem ist das Federbett der Musik, wobei gegen Winter hin die Neigung zu Bach und ähnlicher Popmusik der Stollen- und Kerzenromantik überwiegt, hingegen der Rest des Jahres bestimmt ist von den Jazzdauerbrennern schwarzer sowohl-als-auch Stimmung. Seit Herbie Hancock mir die blaue Verschleppung des Dominatseptakkordes mit großstädtischer Vehemenz zu Ohren brachte, ist das freie Improvisieren über einem pulsierenden Rhythmus mit heiter traurigem Klang, mein treuer Hund, der auf seiner Decke in der Ecke meiner Tätigkeit liegt und mir immer wieder übermütig in die Farbtöpfe springt. Mein E-Piano allerdings fristet ob meiner realistisch entschlossenen Monogamie ein Dasein als Tiefkühlkost.

Das zum Arbeitsmittel Ohren.

Dieser Sinn muß schließlich in der Großstadt Berlin besonders abgeschirmt werden, um nicht der Verknöcherung anheim zu fallen, die einen nicht mehr über den Wohlklang der Morgenamsel erschrecken lässt. Zum anderen ist nichts preiswerter als mit Miles’ “All Blues” über die 42nd Street zu bummeln, oder eine “Night in Tunesia” gegenwärtig werden zu lassen.

Geographisch sündlicher gelegen bedarf das zweite Malmittel ebenso gebührender Beachtung. Essen schmeckt oder schmeckt nicht, egal ob Erbsensuppe mit Eisbein, oder Entenbrust in Balsamessig. Diese Quelle der Anschauung und Weltentdeckung sollte allerdings nicht nur zum Kühlen zu heißer Füße dienen, Dieses Wasser der Sinnenschärfung gehört vielmehr erforscht, verglichen, von allen Seiten betrachtet und auch mal von Quellmeistern festlich angerichtet.

Meine Abenteuerlust obiger Art ist nicht an ferne Urwälder, Kopfjäger oder Nachtschatten in der Bronx gebunden. Menschlicher empfinde ich dies Abenteuer der Annäherung an mitteleuropäische Fauna und Flora mit Hilfe der jeweiligen Kochkultur. Der erste Höhlenmaler malte wohl beschwörend, um die Grundsubstanzen “mis en palce” für ein Mal zu erhalten.

Die dritte Notwendigkeit sei taktvoll verschwiegen, da auftretende Personen Ähnlichkeit mit lebenden haben.

Axel Sander

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