Text zur Ausstellung “Axel Sander – Bilder und Aquarelle” 1991

Über das Bleistiftspitzen beim Aquarellieren oder ein warmer Herbstabend auf dem Lande in Mittelitalien

Der Aquarellist sagt sich “andiamo” und betritt den geräumigen Malraum.

Der Tisch steht an seinem Platz mit dem Rücken zum Raum, mit der Front direkt am Fenster.

Der Stuhl hat seine zwei Kissen, um ihm die rechte Arbeitshöhe zu geben.

Die Glastür zum Garten ist leicht geöffnet für zwischenzeitliche ausflüge mit Recken und Strecken sowie Riechen und Lauschen.

Das Wasser im Glas aus der Küche geholt, ein Gang durchs Haus und zurück zum Tisch.

Die Musikcassetten werden im Sitzen greifbar geordnet für notwendige Untermalungen und Geräuschabschottungen.

Die kleinen Blöcke liegen gestapelt, dick und handlich, bereit, nicht verleimt, blätterbar.

Die zwei Farbkästen, hintereinander gereiht, in Dreierreihe die Näpfe, bilden mit den Pinseln, Kunsthaar, links liegend und den Blöcken rechts die Arena aus aufgeklebten Zeitungsseiten zum Schutz des weißen Tisches und zum Pinselabstreifen.

Der Espresso (als Malfarbe) fehlt noch. (Zurück in die Küche)

Auf dem Rückweg ein Glas Rotwein in der Hand, suche ich schon von weitem die Zigaretten und das Feuerzeug. alles da.

Nun also hinsetzen! Licht an, Block in die Mitte, aufschlagen….

Eigentlich sollte ich den Kamin im Nebenzimmer doch noch in Gang bringen fü+rs Schnelltrocknen und zum Glutgucken in den Pausen. (Das Feuer prasselt)

Da war doch noch ein Rest Spaghetti in der Küche!? (Kurzaufenthalt dort, zurück zum Tisch, ein Schluck Wein, Zigarette an…)

Wo ist der Aschenbecher? Im Kaminzimmer! (Kurzsuche und zurück) Entspannt und langsam hinsetzen, Konzentration! Pinselbefeuchten, rotes Dreieck links von der Mitte, abtupfen! Zuviel Farbe….

Das Tempotaschentuch! (Durchs ganze Haus ins Bad und zurück)

“Raus aus der Küche, ihr gierigen Katzenviecher!” (Kurze Vertreibungsaktion)

Dem sportlichen Maler, wieder sitzend, nähert sich ein tiefes, typisches Brummen, ein klatschendes Geräusch, er fährt herum….

“Guten Abend, Herr Nashornkäfer, mal wieder geblendet auf dem Rücken gelandet?” Der Naturfreund springt auf und rettet das seltene Tierchen vor dem durch die Glastür äugenden, Beute witternden Kater (Kurztröstung des enttäuschten Haustieres und Rückkehr)

Jetzt vielleicht Paolo Conte fürs Italienfeeling? Mist, Die Cassette klemmt….

Man könnte natürlich auch ein gutes Buch lesen!….

(Der Künstler begibt sich, vorsorglich, auf eine kurze Buchsuche)

Axel Sander

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