Der Tagesspiegel Feuilleton

15 Jahre Galerie Lietzow

Unsere Galerien rüsten um. Wenn sie im August nicht ganz schließen, zeigen sie meist die obligate Accrochage (fast immer unter dem Titel “Künstler der Galerie”).

Die hängen bei Lietzow schon eine ganze Weile, denn der Namensgeber Godehard und sein Kompagnon Karl Horst Hartmann konnten unlängst ihr 15jähriges Jubiläum begehen. (weiterlesen…)

Der Tagesspiegel

Eine Galerie wie ein Garten
Fünf-Jahres-Retrospektive bei Lietzow

Eine Galerie wie ein Garten

Fünf-Jahres-Retrospektive bei Lietzow

Dass Horst Hartmann und Godehard Lietzow, die Kunst-Dioskuren, in der Knesebeckstraße Nr. 32 eröffneten, ist jetzt, sogar ziemlich genau (es war am 10.Juli), fünf Jahre her. Fünf Jahre sind noch kein Jubiläum, aber wer die Schwierigkeiten kennt,

a) eine Galerie zeitgenössischer Kunst und, erschwerend dazu

b) in Berlin zu führen, wird zugeben müssen, dass ein halbes Jahrzehnt auf diesem Gebiet schwerer wiegt als bei anderen ein halbes Jahrhundert.

Warum sollte die Galerie Lietzow also den keineswegs übermäßig häufigen Geburtstag nicht mit einer Retrospektive “5 Jahre Galerie Lietzow”, begehen? (weiterlesen…)

Katalog Yuri Kuper 1974 Galerie Lietzow

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Katalog Bernd Kastenholz 1973 Galerie Lietzow

Text von Heinz Ohff
KASTENHOLZ oder FABELN FÜRS AUGE
Wenn einer auf Goldgrund malt, denkt man gleich an Ikonen. Das ist auch bei Bernd Kastenholz der Fall, obwohl am vermuten darf, dass er diesen Effekt – wie fast alle die anderen, die er so meisterhaft beherrscht – mit ironischem Hintersinn ins Feld führt. Ironie spielt bei ihm eine große Rolle. Aber zweifellos gibt der Goldgrund, auf den er seine Gouachen setzt, den Farben auch so etwas wie einen besonderen Glanz, der von innen kommt. Das Gold drängt sich nicht auf, lauert eher im Hintergrund, vermittelt den Farben ein im Wortsinn glänzendes Entrée; denn neben der Ironie spielen die Farben bei Kastenholz eine Hauptrolle.
Seine Figuren erinnern mitunter an jene des frühen Feininger, bewusstes oder unbewusstes Zitat. Sie sind langgestreckt oder rundgerollt, je nachdem, und Kastenholz hat sie mit phantastischen Attributen behängt wie einen Weihnachtsbaum mit Kugeln und Lametta. Was das betrifft, so entwirft er weniger Ikonen als vielmehr eine neue Ikonographie, die viel mit unserer Gegenwart zu tun hat. Aus Ironie, Farbe-auf Goldgrund, mancherlei Zitat und noch mehr phantastischen Details werden Zustandsbilder, Bewusstseinsbilder, Parabeln auf uns und unsere Umwelt.
Der “Hausherr”, zum Beispiel, er besteht tatsächlich aus Häusern, der “Vielfüßler” besitzt (in tatsächlichem wie in übertragenem Sinn, was beides man wohl immer gleichzeitig sehen muß) Krallen, Hufe und Schuhe. Schuhe, besonders zweifarbige, scheint Kastenholz übrigens besonders zu lieben, auch Zahlen (vorzugsweise auf Geldstücken), Flaschen (die mitunter rauchen) und gestreifte Hosen. Man darf das durchaus symbolisch oder sogar allegorisch nehmen, auch Kastenholz nimmt seine Einfälle beim Wort. Die “Augenseuche” überzieht einen Kopf mit Augen, als seien diese Pestbeulen, im Termin-Zeit-Raffer, dem Blatt mit der direktesten Zeit Zeitkritik, werden Menschen zu Uhrzeigern oder tragen statt eines Kopfes einen tickenden Zeitmesser am Hals, die armen Kreaturen (die wir alle kennen). In der “Wesensschau” endlich versammelt sich allerlei Zeug, das man gemeinhin als wesentlich ansehen mag, aber es scheint – Tand am Grill – aufgespießt wie zu alsbaldigem Verzehr. Schnecken, Schweinchen, Luftballons, Blumen, Schlipse gehören zum weiteren Vokabular, dessen Symbolgehalt man andererseits auch wieder nicht zu ernst nehmen sollte. Was Kastenholz ernst nimmt, das nimmt er zugleich auf die Schippe, darin sehr adäquat Humor und Witz seiner Generation einfangend und wiederspiegelnd, deren Vorliebe für tiefgründigen Nonsens immer augenfälliger wird.
Augenfällig wird bei Kastenholz alles in doppeltem Sinn, denn wichtig bleibt bei ihm auch der Zufall, den er gleichsam mitmalen lässt. Wo auf dem präparierten Goldton die Farbe verläuft, wird ein Pünktchen gesetzt – Zufalls-Pointillismus – oder es entsteht ein weiteres phantastisches Detail. Phantastik, Realistik, Symbol, Zitat und Farbaktion finden wie im Spiel zusammen und poetisch überdies, ein in jeder Hinsicht seltener und fabelhafter Vorgang – Kastenholz gelingt es, uns Fabeln zu erzählen, die wir in dieser Form noch nicht gehört haben.
Heinz Ohff

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Katalog Klaus Vogelgesang 1970 Galerie Lietzow

Klaus Vogelgesang ist vom Surrealismus zu einem kritischen Realismus vorgestoßen, wie er in Berlin eine lange Tradition hat. Ein neuer George Grosz nimmt Anlauf. Das heißt: er richtet das Visier seines Zeichenstifts auf aktuelle Ziele. In manchem knüpft er, der eine halbe Generation jünger ist als die kritischen Realisten der ehemaligen Großgörschengruppe, (weiterlesen…)