Text zur Ausstellung “Klaus Fußmann – Neue Arbeiten” 1991

In seiner Biographie notiert Klaus Fußmann: “Seit 1963 – ‘Ragende Figuren’, Versuche, eine neue gegenständliche Malerei zu entwickeln(Stilleben, Portraits).” – Heute, knapp drei Jahrzehnte später, mutet die programmatische Entschiedenheit dieser Anmerkung ein wenig seltsam an und wie eine Notiz aus historisch entrückter Ferne an. Doch der Versuch, eine neue gegenständliche Kunst zu realisieren, entsprang zu Anfang der sechziger Jahre als geradezu revolutionärer Impuls der damals jungen Künstlerschaft in Berlin und nicht nur hier.

Er wandte sich gegen das seinerzeit schier unantastbare Dogma von der abstrakten Kunst, die noch kurz zuvor, in den fünfziger Jahren, geradezu als Synonym für die Freiheit des Geistes und den Geist der Freiheit stand und erst zu Ende der fünfziger Jahre den Ungeist einer reglementierten Heilslehre im Geleit hatte.

Die Parteienkämpfe an der damaligen Hochschule für Bildende Künste in Berlin und auf der einst so renommierten Großen Berliner Kunstausstellung (die allerdings sehne ich mir zurück!) bezeugen dies.

Klaus Fußmann gehörte zur jungen impulsgebenden Generation, welche die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks seit Mitte der sechziger Jahre mit neuer, wunderbar unkonventioneller Gegenständlichkeit zurückerwarb. Aus seinem “Versuch” entwickelte Fußmann jenes künstlerische Kontinuum einer gegenständlichen Malerei, das sich heute, nach all den Jahren, als umfängliches und zu malerischer Meisterschaft gereiftes Werk darstellt. Das einstmals Neue ist inzwischen zur künstlerischen Weltanschauung, zur stilprägenden Eigenheit geklärt.

Günter Kunert nennt Fußmann einen Romantiker. Im Rückblick stimmt diese Kennzeichnung treffender als alle anderen. Die visuell registrierte Realität der Gegenstände und der Natur erfährt in der Metamorphose des malerischen Vollzugs ihre Umdeutung, Neudeutung und wird zur subjektiven Imago verdichtet. Eine unverkennbar sinnliche Freude an der Farbe, die Lust an expressiver Vehemenz im Mal-Duktus und- Gestus und eine hierzu fast diametral anmutende Neigung zu kontemplativer Stille kennzeichnen bis heute Fußmanns gelegentlich rätselhafte “innere” Bilder von der “äußeren” Welt – und damit meine ich gleichzeitig die nach außen drängenden Bilder einer inneren Welt.

Godehard Lietzow

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