Zur Ausstellung “Ronald Searle – Zeichnungen, Aquarelle” 1978

Heitere Kunst war wohl immer selten, besonders in Deutschland. Kunst gar, an und mit der man sich köstlich amüsiert. gleicht jener viel erwähnten Stecknadel im Heuhaufen. Man findet sie kaum oder aber nur nach langem mühevollen Suchen… zumindest hierzulande.

Zur Kunst gehört der Ernst und wo das Lachen beginnt, endet die Kunst. So oder so ähnlich ist die bindende Meinung der meisten. Und, wenn ein recht prominenter deutscher Künstler, dem meine Wertschätzung gilt, kürzlich sehr entschieden meinte: “Karikatur ist keine Kunst”, dann ist diese Meinung sicherlich auch unter Künstlern keine Einzelmeinung… hierzulande.

Ein Hinweis auf den scharfsinnigen Honoré Daumier, den sarkastischen George Grosz oder den poetischen Saul Steinberg bewirkt bestenfalls einen recht konventionellen Respekt vor den historisch anerkannten “Ausnahmefällen”. Solches hörend, sieht sich der nicht ganz so bier- und weltschmerzenste Schreiber versucht, seinem Künstler die werten Worte in den Mund zu legen, die Ronald Searle unter eine seiner köstlich skurrilen Zeichnungen setzte: “Ich bin zu gut für diese Welt”.

Wir freuen uns, mit dieser Ausstellung einen Meister der hintergründigen Heiterkeit, den heute in Südfrankreich lebenden englischen Zeichner und Satiriker Ronald Searle mit einer Reihe von Zeichnungen und Aquarellen vorzustellen.

Searle, 1920 in Cambridge geboren, an der Cambridge School of Art studiert, zählt heute neben Saul Steinberg und André Francois zu den bedeutensten sagtirischen Zeichnern unserer Zeit. Seine Biographie ist zu umfänglich und prominent, um an dieser Stelle in würdiger Form angeführt zu werden. Alle Interessierten seien auf den Katalog hingewiesen, den 1976 das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen Preussischer Kulturbesitz, Berlin, anlässlich der seinerzeitigen Searle-Retrospektive herausgab – oder aber auf das soeben im Rowoldt-Verlag erschienene “Große Ronald Searle Album”, zu dem der Direktor der Dahlemer Gemäldegalerie, Prof. Dr. Henning Bock, das Vorwort schrieb.

Ich selbst möchte allen Galerie- und Kunstfreunden beim Besuch dieser Ausstellung jenes köstliche Vergnügen wünschen, das mich, seit ich Searle’s Zeichnungen zum ersten Mal sah, immer wieder aufs Neue in die satirischen Himmelhöllen dieses Zeichners verführte.

Godehard Lietzow

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