Text zur Ausstellung “Peter Ackermann – Neue Arbeiten” 1991

Titel:

sollte sich der Weg nicht zurückverfolgen lassen? – Wenigstens in der Erinnerung des Malers, der noch weiß, wo, vor welcher Baumgruppe oder Tankstelle, nach der Lektüre welchen Gedichts, in welcher Gedanken-Sekunde zuerst sein Bild herausgefordert wurde? – Die Gegenden, denen die Bilder entstammen – nicht irgendwelche, aber sehr unterschiedliche – sollten wir beim Namen nennen; das ist der Auftrag der Titel. auch dann, wenn der Bild-Gedanke die Welt nur en passant berührt hat, wenn er aus einer Gedankengegend stammt, die selbst für den Aotor schwer lokalisierbar ist. –

Wege, die sich vom Bild zurückschlängeln durch das Unterholz so vieler Gedanken und Empfindungen: oft bleiben sie selbst denen verborgen, die sie eben noch gegangen sind; Pfade, zugewuchert unter kleinen Arfbeiten und plötzlichen Einfällen; häufig verlieren sie sich ganz im Ungewissen. Dann erfindet der Maler den Titel, von dem er allenfalls hoffenkann, er möge eine Herkunft bezeichnen. – Manchmal aber weiß er es genau, kennt Datum, Orts- und Straßennamen, das Bild gleicht einem Brief, den er an sich selbst adressiert und gestern in den Kasten geworfen hat. – Oder es handelt sich um eine Geschichte, in die wir hineingeraten sind, ohne es zu wollen, etwas fast Anektdotisches, das sich ebenso gut hätte schreiben wie malen lassen.

Nur: Rätsel sollten nicht aufgegeben werden; für Bilderätsel gibt es bessere Ecken. Sowenig es für den Aotor Sinn macht, Wirklichkeit zu “übersetzen” (wie einmal ein Terminus lautetete) sowenig auch für das Publikum, mit der Nase in den Wörterbüchern der Interpretation, vor den Bildern zu stehen, die Titel fälschlich nutzend als Gebrauchsanweisung in der eigenen vertrauten Sprache.

Es genügt, sie zur Kenntnis zu nehmen und den Blick auf die Bilder zu richten.

Peter Ackermann

August 1991

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