Text zur Ausstellung “Mathias Wild – Zeichnungen und Gouachen” 1990

Auslotung des Raumes

Hellgraue Farbgüsse über dichten, kompakten Feldern, deren Grauton um Nuancen differiert, dann plötzlich eine weiße Fläche, die den Blick in eine unendlich scheinende Tiefe zieht. Auf anderen Blättern dominiert das Schwarz als Verdichtung immer neuer Überlagerungen und Schichten, denen gelegentlich ein Grün oder ein Blau zugrunde liegen mag. Doch im Wesentlichen malt Mathias Wild seit Beginn des Jahres 1990 in seinen Gouachen mit einheitlichem Format – die Farbe weg -. Im Abstand zur Emotionalität der Farbfülle auf seinen Ölgemälden sucht er  mit seinen Arbeiten auf Papier die Konzentration auf die Struktur.

Das Zusammenspiel aber auch die Kontraste, den Rhythmus von Formen variiert er in einer Vielzahl von Blättern, die in einem langsamen Arbeitsprozess, in vielen Schritten entstehen. Der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Raumerfahrung und Raumerfassung, mit der Veränderbarkeit von Blickwinkeln und Standpunkten gleichsam als Vexierbild von Aussen- und Innenwelt entspricht die Vielfalt der Mal- und Zeichentechniken innerhalb eines Blattes.

Skripturale Notizen stehen auf nahezu pastos aufgetragenen Flächen, feine fließende Spuren lecken über dichtes Schraffunggitterwerk. Hin und wieder finden sich im Großstadtdschungel der nächtlichen Landschaften wie Angelpunkte geometrische Formen oder auch die Silhouette einer menschlichen Figur – als Kürzel, als Zitat. Was sich in den Gouachen komprimiert findet, gliedert Mathias Wild in seinen sensiblen Zeichnungen auf, die zusammengefügt einen nahezu unverschlüsselten Einblick in die Bild-, Traum- und Gedankenwelt des Künstlers geben.

Verena Tafel

September 1990

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