Text zur Ausstellung “Fritz Köthe – Bilder, Aquarelle, Graphiken” 1990

Seine Handschrift ist unverwechselbar. Sie ist suggestiv, springt in die Augen. Köthe greift, zerlegt, kombiniert den Gegenstand treffsicher und verfremdet ihn rätselhaft. Er fabuliert mit vorfabrizierten Elementen der Wirklichkeit. Das steigert die Hellsichtigkeit, auch die erfahrene, erlittene, kritische Distanz. Köthes Malerei besitzt eine immer rarer werdende Eigenschaft: Bildesprit.

In den dialektisch gegenübergestellten Bildfragmenten, getrennt nur durch die nervöse Demarkationslinie der Reißkante, liegen Witz und Trauer, Lust und Zerstörung, Kritik und Emotion hautdicht und beängstigend beieinander. Das Paradoxe und Antagonistische wird faszinierend, rührt an Tiefen der Existenz, schafft Unbehagen – assoziiert ungewollt Freuds “Unbehagen in der Kultur” – und ist dabei von einer verführerischen, nostalgischen, glückseligen und diabolischen Sensualität, die einem den Atem verschlägt.

Bis in die neuesten Bilder hinein bleibt Köthes präzise Kenntnis der Neuen Sachlickeit, des Surrealismus und der verschiedenen zeitgenössischen Verismen spürbar. Dabei besitzt er Seiten eines expressionistischen Talents, dem es um starken, konzentrierten, dichtkolorierten Ausdruck geht, der mitunter in visionär-tragische Bereiche vorstößt.

Das Originale und Paradoxe seiner Pseudocollagen besteht darin, dass sie so augentäuschend genau gemalt sind, dass eine völlige Identität zwischen dem Abbild des Gegenstandes und diesem selbst erreicht wird, so als ob die banale Wirklichkeit durch die Kunst ein neues, magisch übersteigertes Leben erhalten sollte.

Die Aufsplitterung der Inhalte dynamisiert die einzelnen Fragmente. Köthe legt in diesem Verfahren emotionale Kräfte bloß und und rührt an Fragen des Lebens, auch an seine Destruktion, an Tod. Er suggeriert mit der Nostalgie des Glücks auch dessen Vergänglichkeit. Sein Werk ist Medium seiner Revolte gegen Verlogenheit im Gesellschaftlichen und Menschlichen. Seine Bilder sind vielschichtig und vieldeutig. Nicht zuletzt enthalten sie einen stillen, doch eindruglichen Appell zur menschlichen Freiheit.

Wolfgang Sauré

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